Die St. Hubertus Schützenbruderschaft wurde am 05. August 1849 als „Hubertus-Bruderschafts-Verein“ gegründet. Auf der damaligen Gründungsversammlung wurden folgende Vorstandsmitglieder gewählt. Aus dem Ort Roggendorf wurden Anton Pesch (Präsident), Johann Feuser, Wilhelm Buschheuer und Peter Metzmacher gewählt. Des Weiteren wurden in den Vorstand Anton Kerp und Josef Elvenich aus Kierdorf und Eberhard Brendgen aus Zieselsmaar berufen. Hinzu kamen Georg Möltgen, Wilhelm Mermagen, Heinrich Roggendorf, Michael Wallraff, Jakob Krings und Johann Buschheuer aus Brüggen. Der heutige Ortsteil Kierdorf umfasste damals die Orte Roggendorf, Zieselsmaar, Schildgen und auch Brüggen.

In den Statuten wurde damals schon die enge Beziehung der Bruderschaft zur Kirche und ihrem Glauben festgelegt.
„Der Zweck der Bruderschaft ist die innige Vereinigung christlicher Brüder, Beförderung und Hebung kirchlicher Feierlichkeiten und Prozessionen und außerdem geselliges Vergnügen.“

Der Besuch kirchlicher Feiertage wie zum Beispiel die Fronleichnamsprozession ist auch heute noch in unserer Satzung verankert.

Die Zahl der Mitglieder betrug damals schon beachtliche 239. In einem alten Mitgliederverzeichnis wurden sogenannte Fremdmitglieder aufgeführt. Zu Ihnen gehörten z.B. Graf Max von Wolff-Metternich zu Gymnich und der damalige Bürgermeister Liblars Theodor Winterschladen.

Zu den ersten Gegenständen, die der Hubertus-Bruderschafts-Verein erhielt, gehörten ein silberner Hund, ein Hirsch und ein Waldhörnchen. Die Gegenstände wurden in Nachfolge des „Junggesellen-Schieß- und Sport-Vereins von 1776“ übernommen. Diese Symbole befinden sich heute noch an der Bruderschaftskönigskette.

Diese Kette gehört mit der restaurierten Büste des hl. Hubertus, und dem Silberhörnchen, welche beide aus dem Jahr 1802 stammen, zu den wertvollsten Erbstücken, die die St. Hubertus Schützenbruderschaft besitzt.

Aus den Schriftstücken der nachfolgenden Jahre konnte man entnehmen, dass auch damals schon befreundete Bruderschaften existierten. So durften z.B. Böller, Degen, Fackeln und Mützen unentgeltlich an die Schützenvereine Lechenich und Müngersdorf verliehen werden.

Die Böllerschüsse die heute noch abgegeben werden, wurden damals schon genauestens festgelegt. So wurde beim Abholen des alten und des neuen Königs jeweils dreimal geböllert. Wenn der Vogel die Stange verließ, wurde ebenfalls dreimal geböllert.

Die ersten Uniformen konnten mit dem dazugehörigen Zubehör im Mai 1851 angeschafft werden. Seither wird das Fronleichnamsfest von den Schützen „mit sämtlichen Staat“ begleitet.

In den ersten Statuten wurde festgelegt, dass die Mitglieder in drei Abteilungen aufgeteilt worden, die bei einer Beerdigung eines Schützenbruders jeweils abwechselnd die letzte Ehre erweisen. Zwei Jahre danach wurden die „Frauenzimmer“ auch in drei Abteilungen unterteilt und nahmen seitdem ebenfalls an den „Leichenzügen“ teil.

 

Durch die große Mobilmachung und durch die zwei Weltkriege wurde in den Jahren 1866, 1914-1919, 1940-1945 kein Schützenfest gehalten. Jene Schützenbrüder die in den Krieg einberufen wurden, blieben keineswegs im Vereinsleben unberücksichtigt. Für die im Krieg von 1870 einberufenen Soldaten wurden sechs heilige Messen gelesen. Als diese im Juli 1871 heimkehrten wurden sie herzlichst begrüßt. So liest man in einem alten Protokoll
„In Betreff den aus Frankreich heimkehrenden Kriegern ein Siegesfest. Schützen versammeln sich vor dem Hochamt vor der Schule, nach Demselben Parade. Nachmittags Abholen durch die Pfarre und Einführen bei Michael Körfgen, wo denselben Essen und Trinken Verabreicht wird; nachdem für die Krieger freies Tanzvergnügen.“

Der Hubertus-Bruderschafts-Verein wird im Jahr 1874 umbenannt in St. Hubertus Schützenbruderschaft.

Wie eng die Verbindung der Schützenbruderschaft zur Kirche war, konnte man schon damals an den zahlreichen Hilfeleistungen erkennen. Zu Gunsten des Kirchbaus sammelten die Schützen 30 Taler und 25 Pfg. 1881 erhielt der Pfarrer Geld für zwei neue Kirchbänke und drei Jahre später für Kreuzwegstationen. Die Feier anlässlich der Einführung Pfarrer Laps, dem Nachfolger des Kirchenerbauers Pfarrer Nonnen, welcher 1882 starb, bezahlten ebenfalls die Schützen.

Im Februar 1904 wurde der Schießplatz in den Garten von Johann Rausch verlegt. In einem Schriftstück vom 12. Mai 1904 wird erstmals der Bürgervogel erwähnt, an dem sich jedes Mitglied der Pfarre Kierdorf beteiligen durfte.

Eine Tanzveranstaltung im Juni 1908 brachte 134,00 Mark für den Kirchenneubau in Brüggen. Fünf Jahre später wurde die bisherige Pfarrgemeinde in die Pfarre Kierdorf und die Pfarre Brüggen aufgeteilt. Dadurch machte sich Brüggen selbstständig und seither existieren die Bruderschaften Brüggen und Kierdorf. Satzungsgemäß wurden die Güter und die Geldbestände verteilt. Durch die teilweise Abgabe einiger Utensilien, wurde eine Neuordnung vorgenommen. Bestimmte, an Brüggen abgegebene Ausrüstungsgegenstände, mussten neu angeschafft werden. Zudem wurden die grünen Mützen durch die noch heute getragenen Schützenhüte ersetzt.

Auch damals wurde Wert daraufgelegt, dass möglichst viele Schützen zu den Pflichtveranstaltungen erscheinen. So wurde 1875 zum Beispiel folgendes beschlossen: Wer vom Vorstand dreimal fehlt, wird durch ein neugewähltes Mitglied ersetzt. Ein weiteres Beispiel ist die Zahlung von 10 Mark Strafe bei Fehlen eines Mitglieds bei einem auswärtigen Schützenfest oder einem kirchlichen Feiertags. Hierzu wurde sogar festgelegt welche Gründe ein Fehlen rechtfertigen: Krankheit, Krankheit in der Familie, Sterbefall bzw. Begräbnis oder Gerichtstermine.

Das 75-jährige Bestehen im Jahre 1924 wurde natürlich groß gefeiert. Mit einem Feuerwerk, Fackelzug und natürlich durch Festbälle.

Vier Jahre später fand erstmals durch Anregung der Schützenbruderschaft wieder ein Martinszug statt. Dieser wird auch noch heute von den Schützen organisiert und durchgeführt.

 

Am 10.03.1934 stand der St. Hubertus Schützenbruderschaft nicht mehr ein Präsident vor, sondern nun ein Führer. Zu diesem Zeitpunkt änderte sich alles. Versammlungen wurden mit einem Hitlergruß eröffnet und geschlossen. Auch wurden Gelbeträge für das Winterhilfswerk oder für die N.S.V. gesammelt. In diesem Jahr fand auch unser Bundesschützenfest statt, welches ebenfalls vom Führer beeinflusst wurde. Erstmals wurde der gemeinsame Kirchgang und der gemütliche Abend zum Hubertusfest von der Polizeibehörde verboten. 1936 schloss man sich dem Deutschen Schützenbund an und versuchte so weit wie möglich das bisher vorgenommene Vereinsleben weiter zu führen. Im Jahr darauf konnte Johann Becker beim Vereinsmeisterschießen den ersten Platz erringen, so dass 1938 die letzten Kreismeisterschaften in Kierdorf stattfanden. Von 19 Vereinen blieb am Ende Kierdorf der Sieger.

Ab 1946 bestimmten die Alliierten den Alltag der Schützen. Zunächst durfte nicht mehr geschossen werden, später dann 1948 nur noch mit einer Armbrust.

Die 700-Jahrfeier des Kölner Doms und die überstandene Währungsreform machte den Menschen wieder Mut. Dies spiegelte sich auch in der Schützenbruderschaft wieder. Das Hubertusfest wurde mit einer Messe, einem Frühschoppen und dem abschließenden gemütlichen Abend gefeiert.

Das hundertjährige Bestehen wurde 1949 natürlich groß gefeiert. Viele Ehrengäste und Jubilare waren geladen und eine neue Trauerfahne wurde enthüllt. Erstmals nach dem Krieg wurde am Abend des Schützenfestes wieder mit Böllern geschossen.

Auf der Generalversammlung im Jahre 1952 wurde beschlossen:
„Wir Schützen beteiligen uns auch dieses Jahr am Rosenmontagszug.“
Im gleichen Jahr wurde wieder mit Kleinkaliber und Donnerbüchse geschossen.

 

Eine Jungschützengruppe im Alter von 12-21 Jahren wird 1958 gegründet. Im Jahr darauf übergab die Jungschützengruppe eine Tischstandarte, mit der Auflage diese bei jeder Versammlung auszustellen. Sollte dies nicht geschehen, so muss eine Strafe in die Jungschützenkasse gezahlt werden. In diesem Jahr wurde Jakob Esser, bis dato stellvertretender Vorsitzender, zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Vierzig Jahre später wurde diese Ehre unserem Manfred Dobbek zuteil.

Im Jahre 1963 wurde der neue Pfarrer Herr Johannes Nöthen eingeführt. Gleichzeitig wurde er an diesem Tage geistlicher Präses unserer Schützenbruderschaft.

Seit 1965 wird nicht nur ein Bruderschaftskönig ausgeschossen, sondern zusätzlich ein Schützenkönig der aktiven Schützen. Der erste Schützenkönig wurde der Schießmeister Heinz Räder. 1967 folgte die Einweihung der neuen Schießanlage „Hubertusgrotte“ unter dem Saal des Wirtes Schönaus.

Zum 120-jährigen Bestehen wurde ein Kommersabend gehalten, welcher durch ein Orchester und durch Chöre verschönert wurde. Anlässlich dieses Jubelfestes wurde erstmals eine Festschrift entworfen.

Eine neue Bruderschaftskette wurde 1972 angeschafft. In diesem Jahr wurde die St. Hubertus Schützenbruderschaft in das Vereinsregister aufgenommen.

 

Um endlich einen festen Platz für die Feierlichkeiten und das gesamte Vereinsleben zu haben, wird zunächst 1976 ein neuer Schießstand am Bahndamm Kierdorf errichtet. Des weiteren wurde zwei Jahre später ein Bauantrag zur Errichtung unserer Schützenhalle gestellt. Dieser wird ein Jahr später genehmigt und die Arbeiten konnten beginnen. 1981 konnte die Halle feierlich eröffnet werden. 1987 wurde die Schützenhalle mit der Einweihung einer neuen Schießanlage (10m-Bahn) erweitert.

Der neue Name unserer Bruderschaft lautet somit seit 1992 „St. Hubertus Schützenbruderschaft Erftstadt-Kierdorf 1849 e.V.“

Der Hochstand wurde 1993 erneuert und auf den neuesten nötigen Sicherheitsstandard gebracht. Durch diese Reparaturen bedingt wurden noch zwei Lagerräume als Erweiterung angebaut.

Unser Schützenhaus wurde ab 1994 durch einen eigenen Kühlraum, einer größeren Küche und eines erweiterten Toilettenbereichs vergrößert.

In den nachfolgenden Jahren wurde unser Schützenhaus immer wieder verschönert. Zum Beispiel wurde ein Wandgemälde, welches den Hubertus mit einem Hirsch zeigt im Schützenhaus angebracht. Auch die Anschaffung eines großen Fahnen- und Trophäenschrank trug zur Attraktivität unseres Schützenhauses bei.

Da die St. Hubertus Schützenbruderschaft Erftstadt-Kierdorf 1849 e.V. schon seit ihrer Gründung fester Bestandteil der Pfarre Kierdorf war, und auch heute noch eng mit der Kirche verbunden ist, wurde 1997 ein Heiligenhäuschen erreichtet und feierlich eingeweiht.

Wir, und unsere nachfolgenden Generationen werden, wie es unsere Vorgänger taten, den Verein auch in Zukunft weiterführen; ganz im Sinne von Glaube, Sitte und Heimat.

 

Quelle: Festbuch 1999 / zur 150-Jahr-Feier
….to be continued….